Wenn jeder an sich denkt…

Ein Kommentar unseres Stellvertretenden Vorsitzenden Ralph Strobel

Wenn jeder an sich denkt…

…ist an alle gedacht. Man sollte meinen, ein Neckarsulmer OB hätte in Anbetracht der gewaltigen Herausforderungen der nächsten Monate und Jahre viel zu tun. Mobilität. Wohnraum. Kitas. Schulen. Wirtschaft. Die letzten Wochen zeichnen leider ein anderes Bild.

Die Reinigung der Innenstadt scheint von der Arbeitsliste des Bauhofs gestrichen, ehemals leckere Pommes liegen noch 4 Tage nach dem Adventszauber unter der seit dem Frühjahr defekten Beleuchtung des Marktplatzes. Die Beflaggung zum Volkstrauertag wurde schlicht vergessen. Die Vermietung des ehemaligen Beeren-Bauers wurde zum wiederholten Male verschleppt. Bei der Sanierung der HGR hat man sich um schlappe 4,5 Mio. Euro verrechnet, zeigt aber überheblich mit dem Finger auf andere.. Der Mobilitätspakt liegt auf dem Tisch, leider gibt es aber keine Person hinter dem Schreibtisch, die ihn vorantreibt und zusammen mit den Bürgern und den Unternehmen umsetzt. Seit 5 Jahren wird das Neubaugebiet „Nördlich der Römerstrasse“ diskutiert, die Erschließung ist nun auf mindestens drei weitere Jahre nach hinten verschoben, also nicht vor 2021. Die Fehlzeiten in den Kitas nehmen besorgniserregende Ausmaße an. Vertrauen muss man sich erarbeiten. Nur woher soll das kommen?

Große Aufgaben also für den neu zu wählenden Gemeinderat, der vor allem die Aufgabe haben wird, die Stadtverwaltung noch stärker zu kontrollieren. Die eine Hand weiß scheinbar nicht mehr, was die andere tut. 

Und der Kopf darüber? Der kümmert sich um die wirklich wichtigen Dinge. Führung, Organisation und Kommunikation gehören scheinbar nicht dazu. Man würde sich ein ähnlich hohes persönliches Engagement für die bald fehlende Nahversorgung in Amorbach wünschen, wie für die Ansiedlung eines Hundefriseurs in der Marktstraße oder als Kassierer in einer Lebensmittelfiliale. Und aktuell bei der Ansprache von möglichen GR-Kandidaten unter Zuhilfenahme eines dann sofort zur Stelle befindlichen Amtes. 

Persönlich genehme Menschen in der neuen Periode im Rat sitzen zu haben, ist natürlich sehr verlockend. Nüchtern betrachtet ist es eine ungute Verquickung mit dem eigenen Kontrollorgan. Gewählt wurde er für andere Aufgaben. Es wird Zeit, sich auf die wirklichen Aufgaben zu besinnen.